Feb 03, 2026
Ein Interview mit Michael Breidenband, Geschäftsführer von Adacta Deutschland
Zu Beginn des Jahres 2026 hat sich die Diskussion über die Modernisierung von Kernsystemen auf dem deutschen Versicherungsmarkt grundlegend verändert. Versicherer und Makler wissen, dass sie modernisieren müssen, doch traditionelle Migrationsansätze erscheinen weiterhin mit unzumutbaren Risiken verbunden. Im Gespräch mit Michael Breidenband, Geschäftsführer von Adacta Deutschland, werfen wir einen Blick darauf, wie das Unternehmen diesen Herausforderungen begegnet und welche Impulse es für die DACH-Region im Jahr 2026 setzt.
Wenn wir uns den deutschen Versicherungsmarkt im Jahr 2026 ansehen: Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung für Versicherer und Makler?
Wenn wir auf Deutschland im Jahr 2026 blicken, stehen Versicherer und Makler vor einer Entscheidung, die sie nicht länger aufschieben können. Sie wissen, dass ihre Kernsysteme veralten und sich technische Schulden anhäufen. Die Entscheidung zur Modernisierung steht im Grunde nicht mehr zur Debatte. Was viele jedoch zurückhält, ist die Wahrnehmung traditioneller Plattformmigrationen als äußerst riskant – und in vielen Fällen sind sie das auch.
Wie geht Adacta mit diesen Bedenken um? Welche Erfahrungen aus dem Jahr 2025 können Sie einbringen?
Im Jahr 2025 haben wir uns darauf konzentriert, zu zeigen, wie sich dieses Risiko minimieren und die Angst vor der Modernisierung abbauen lässt. Unser Partner DVA ging Ende 2024 live und läuft seitdem erfolgreich. Das beweist, dass selbst komplexeste Arbeitsabläufe von Industriebrokern mit AdInsure produktiv betrieben werden können. In einem Markt, in dem man erst glaubt, was man sieht, ist das ein belastbarer Referenzpunkt.
Die Gewinnung der Haftpflichtkasse als Neukunden im Jahr 2025 war ein bedeutender Erfolg. Die Entscheidung eines deutschen Versicherers, sein Kernsystem gemeinsam mit Adacta zu modernisieren, bestätigt unseren Ansatz in einem Segment, in dem Vertrauen und nachgewiesene Kompetenz eine entscheidende Rolle spielen. Der dort verfolgte schrittweise Modernisierungsansatz ist ausdrücklich darauf ausgelegt, das Alles-oder-Nichts-Risiko traditioneller Migrationen zu vermeiden.
Deutschland gilt als einer der anspruchsvollsten Versicherungsmärkte Europas. Was braucht es, um hier erfolgreich zu sein, und wie begegnet Adacta den lokalen Anforderungen?
Wir sind uns sehr bewusst, was es braucht, um in Deutschland erfolgreich zu sein. Es handelt sich um einen der anspruchsvollsten Versicherungsmärkte Europas, in dem lokale Anpassung keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Deshalb investieren wir gezielt in unsere deutschlandspezifische Lokalisierungsschicht – von der BiPRO-Integration bis hin zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen.
Ein zentraler Aspekt ist zudem das Inkrafttreten von DORA sowie die zunehmende regulatorische Aufmerksamkeit für KI und Daten-Governance. Versicherer benötigen daher Plattformen, die sich flexibel anpassen lassen, ohne bei jeder Veränderung neue technische Schulden zu verursachen.
Viele Plattformen bezeichnen sich als konfigurierbar. Was macht AdInsure anders?
AdInsure unterscheidet sich in drei Punkten: durch seinen Funktionsumfang, die Multi-Line-Unterstützung sowie die No-Code-/Low-Code-basierte Architektur. Mit Multi-Line meinen wir sowohl Privat- als auch Gewerbekunden; umfassend bedeutet für uns eine Abdeckung vom Produktdesign bis zur Rückversicherung. Wenn wir von Konfigurierbarkeit sprechen, meinen wir das auch so.
Geschäftsanwender und IT-Teams können Produkte, Prozesse und Workflows anpassen, ohne den Code zu verändern. Die meisten sogenannten „konfigurierbaren“ Plattformen funktionieren nicht auf diese Weise. Häufig handelt es sich lediglich um parametrisierte Anpassungen, die für alles, was wirklich relevant ist, weiterhin die Einbindung des Anbieters erfordern.
Warum ist das gerade im Jahr 2026 so wichtig?
Versicherer müssen im Jahr 2026 innerhalb weniger Wochen statt Monate auf Marktchancen reagieren können. Da sich jedes Unternehmen in einer anderen Phase seiner operativen Reife befindet, erlaubt unser Managed-Services-Angebot den Kunden zudem, selbst zu entscheiden, wie viel sie eigenständig übernehmen und welche Leistungen sie an uns auslagern möchten.
Wie wichtig ist die Validierung durch Dritte im Vergleich zu Praxiserfahrungen?
Die Validierung durch führende Versicherungsforschungs- und Beratungsunternehmen schafft Vertrauen. Letztlich gibt unseren Kunden jedoch vor allem die praktische Funktionsfähigkeit Sicherheit. Genau dafür stehen DVA und Haftpflichtkasse.
Was ist das Ziel von Adacta für Deutschland und die DACH-Region im Jahr 2026?
Unser Ziel für Deutschland und die DACH-Region ist klar definiert: Wir wollen der Partner sein, den Versicherer und Industriebroker wählen, wenn sie echte Plattformunabhängigkeit anstreben. Nicht bloß Marketingversprechen über Unabhängigkeit, sondern tatsächliche Kontrolle über ihren Produktinnovationszeitplan, die Fähigkeit, auf regulatorische Änderungen zu reagieren, ohne auf unseren Release-Zyklus warten zu müssen, sowie Modernisierung ohne eine risikoreiche Big-Bang-Migration.
Welche Art von Partnerschaften möchten Sie aufbauen?
Wir setzen auf Partnerschaften mit Organisationen, die Technologie ernst nehmen und zugleich einen Partner schätzen, der nicht nur spricht, sondern auch liefert. Darauf liegt unser Fokus im Jahr 2026.